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01.08.10, 08:37 Loveparade
Bundespräsident ermahnt OB Sauerland
Loveparade-Veranstalter Schaller hat nach der Katastrophe von Duisburg noch keinen Kontakt zu den Opferfamilien aufgenommen. Er will die Angehörigen der Toten derzeit nicht stören. Bundespräsident Wulff erinnert derweil OB Sauerland an seine politische Verantwortung.
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© dpa
Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller
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Rainer Schaller sagte der "Bild am Sonntag", er sehe von einer Kontaktaufnahme mit den Angehörigen zurzeit ab. "Ich glaube, das wäre eine falsche Geste. In der jetzigen Phase der Trauer möchte ich nicht stören." Er wolle keine Dinge machen, die von den Angehörigen als provozierend empfunden werden könnten. Zu einem späteren Zeitpunkt möchte sich Schaller nach eigenen Worten aber mit den Angehörigen der Opfer treffen.

Eine Woche nach der Massenpanik auf der Loveparade mit 21 Toten in Duisburg hatte am Samstag eine Trauerfeier für die Opfer stattgefunden, an der Schaller nicht teilnahm. Im Zuge der Ursachenforschung nach dem Unglück war auch der Veranstalter in die Kritik geraten.

"Werden Verantwortung tragen"
Der Unternehmer sagte nun, er wolle sich vor Gesprächen mit den Hinterbliebenen auf die Aufklärung der Katastrophe konzentrieren: "Das ist jetzt meine wichtigste Aufgabe." Schaller kündigte an, sich der eigenen Verantwortung zu stellen: "Für mich ist erst einmal wichtig, aufzuklären, wer welche Verantwortung trägt. Und welche Verantwortung wir dabei haben. Und diese Verantwortung werden wir dann tragen. Auch ich persönlich."

Wie Schaller war auch Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) der Gedenkfeier ferngeblieben. Sauerland hatte gesagt, er wolle die Trauernden nicht provozieren. Die Linken im Rat haben einen Abwahlantrag gestellt. Für eine Abwahl wird eine Zweidrittelmehrheit benötigt. 25 der 75 Stimmen besitzt die CDU. Sauerland selbst hat sich bislang gegen einen Rücktritt vor der Aufarbeitung der Tragödie gewehrt.

Wulff redet Sauerland ins Gewissen
Bundespräsident Christian Wulff erinnerte Sauerland an seine politische Verantwortung: "Zwar hat jeder als unschuldig zu gelten, dessen Schuld nicht erwiesen ist. Doch unabhängig von konkreter persönlicher Schuld gibt es auch eine politische Verantwortung. Das alles wird der Oberbürgermeister genau abwägen müssen."

Wulff regte zur Aufarbeitung der Katastrophe die Einsetzung eines Ombudsmannes und die Einrichtung eines Hilfsfonds an. Er verwies auf seine Erfahrungen im Umgang mit Katastrophen während seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident: "Am Tag des Transrapid-Unglücks haben wir in Niedersachsen einen Hilfsfonds eingerichtet und zu Spenden aufgerufen. 750 000 Euro kamen zusammen, mit denen schnell und unbürokratisch auch in solchen Fällen geholfen wurde, wo Versicherungen und andere nicht helfen können", sagte er. Ein Ombudsmann habe damals die Interessen der Hinterbliebenen gegenüber Versicherungen, Ämtern und Anwälten vertreten.

Wulff forderte dazu auf, "organisatorische Konsequenzen" aus der Katastrophe zu ziehen: "In Zukunft muss sichergestellt sein, dass Kinder und Jugendliche bedenkenlos zu Großveranstaltungen fahren können." Wulff fügte hinzu: "Dazu gehört, dass die Verantwortlichen insbesondere das Internet als Frühwarnsystem nutzen. In Internetforen wurde schon früh vor einer Katastrophe mit Toten gewarnt."
Florian Festl (ff)
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