04.02.12, 14:49 Kurztest Volvo XC 90
Letztes Update für den SUV-Klassiker
Zehn Jahre hat der Volvo XC 90 bereits auf dem Buckel. Nun wurde das große Volvo-SUV ein letztes Mal überarbeitet. Die Probefahrt zeigt, wie wenig ihm die zum Teil deutlich jüngeren Konkurrenten voraushaben.
Er ist mit Abstand der dienstälteste Volvo und auch der Senior im Club der großen SUVs. Die Studie zum XC 90 debütierte bereits im Jahr 2000, als Serienmodell startete er vor genau zehn Jahren. Passend zur Geburtstagsparty gönnten die Göteborger ihrem Bestseller - mehrere Jahre war der XC90 weltweit meist verkaufter Volvo und wichtigstes schwedisches Exportprodukt - ein wenig Feinschliff bei Optik und Ausstattung.
Äußerlich künden vor allem in Wagenfarbe lackierte Stoßfänger und Radhäuser, geänderte Leuchteinheiten vorn und hinten, zusätzliche Farben und neue optionale 19-Zoll-Leichtmetallräder vom jüngsten Jahrgang des siebensitzigen Crossovers. Neu ist die bereits von anderen Volvo-Modellen bekannte Applikation des Onboard-Notrufsystems, die es ermöglicht, mit dem Smartphone auf verschiedene Fahrzeugfunktionen zuzugreifen.
Mäßig Leistung, günstige Preise
Für Vortrieb sorgen wahlweise zwei Fünfzylinder-Diesel oder ein Sechszylinder-Benziner (163 PS bis 243 PS). Vergleichsweise bescheidene Werte im Umfeld von leistungsstarken Konkurrenten wie Audi Q7, BMW X5, Mercedes-Benz ML-Klasse oder VW Touareg. Dafür punktet der Volvo mit deutlich günstigeren Preisen, die bei 41 190 Euro für den Einstiegsdiesel mit Vorderradantrieb beziehungsweise bei 47 740 Euro für den stärkeren Selbstzünder mit Allradantrieb beginnen.
Auch wenn er weit weniger dynamisch gezeichnet ist als sein jüngerer, kleiner Bruder XC 60, präsentiert sich der stattliche XC 90 noch heute als eleganter Beau unter den Boulevard-Offroadern für die große Familie. Vor allem aber setzt der XC 90 in der Disziplin Familienfreundlichkeit weiterhin Maßstäbe: Sein platzsparendes Quermotorkonzept ermöglicht ein noch immer beispielhaftes Raumangebot. Auf den vorderen Sitzreihen bietet das Volvo-Flaggschiff üppig bemessenen Platz, der fast vergleichbar ist mit dem Loungekomfort großer Vans. Nur die im Wagenboden versenkbaren Sitze der dritten Reihe sind allein für Kinder geeignet.
Trutzburg, aber kein Lastesel
Gleichzeitig vermittelt der Nordmann jenes nicht nur von Frauen geschätzte Burggefühl schwerer Geländewagen. Im Fall des Volvo ist dies nicht unberechtigt, denn der Insassen-Unfallschutz erstreckt sich sogar auf die sonst manchmal vernachlässigte dritte Sitzreihe. Zurückstecken muss der SUV aber bei einem klassischen Geländewagen-Talent: Die Anhängelast beträgt nur maximal 2250 Kilogramm.
Weniger überzeugend im Wettbewerbsumfeld sind auf den ersten Anschein auch die Normverbrauchswerte der drei Motoren, die 8,2 bzw. 8,3 Liter Diesel für die beiden Selbstzünder und 11,4 Liter Super für den Sechszylinder-Benziner betragen. Andererseits ermittelten wir bei Testfahrten im winterlichen Alpenland Benzinverbräuche, die teils sogar bis zu einem halben Liter unter den sonst oft völlig wirklichkeitsfremden Werten des Normzyklus lagen.
Souveräner Reisekomfort
Positiv überrascht waren wir zudem von dem noch immer souveränen Reisekomfort des vor allem in Nordamerika überaus populären sanften Riesen. Statt modisch-schicker sportlicher Härte zeichnet den Schweden eine vergleichsweise weiche Fahrwerksabstimmung aus. Der große Volvo schwebt über die Autobahn und auch Schlaglöcher und Holperstrecken glättet er überraschend souverän. Bei Bedarf lässt er sich dennoch zügig ums Eck fahren, allein die höhere Seitenneigung kündet dann vom komfortbetonten Fahrwerk.
Dazu passt die gute Geräuschisolierung des hell und luftig wirkenden Passagierraums. Wind- und Fahrgeräusche dringen nur angenehm gedämpft ins Innere, allein die Diesel sind nach dem Kaltstart oder unter Volllast deutlich zu vernehmen. Praktisch im Stadtverkehr ist die Handlichkeit und Übersichtlichkeit des zwar 4,81 Meter langen, aber nur 1,90 Meter breiten Siebensitzers - ein Pluspunkt nicht nur in engen Parkhäusern und schmalen Passagen.
Mit der deutlich jüngeren Konkurrenz kann es der frisch geschminkte Schwede in den Dynamik-Disziplinen zwar vielleicht nicht mehr ganz aufnehmen, dafür empfiehlt sich der XC90 mehr denn je als ausgereiftes und komfortables Familienfahrzeug.
(bs/SP-X)